Als die Monopole der staatlichen Bildschirmbeglücker auch in Deutschland endlich zu Ende gingen, schlug die Stunde dieser, mittlerweile einen gigantischen Markt bedienenden, Industrie. Denn, und man erkannte dies sehr schnell, gefrusteten Hausfrauen, sich langweilenden Rentnern oder krankgeschriebenen Angestellten kann man, wenn man es nur richtig anfängt, fast alles verkaufen. Vor allem das, was sie eigentlich gar nicht benötigen. Man muss es nur richtig verpacken und von den richtigen Menschen präsentieren lassen.
Diese, der „Teleshopping abstinenten" Zuseher-Masse mehr oder weniger unbekannten, Präsentator-Moderatoren sind heute längst die wahren Stars der schnelllebigen TV-Welt. Wer will schon Mutter Beimer sehen, wenn er tagsüber z.B. die Chance hat mit Rudi Obermeier (Name fiktiv!), dem Liebling aller Damen jenseits der 50, persönlich „life" zu telefonieren. Frau, was willst Du denn noch mehr- er schäkert mit ihr und die halbe Nation hängt lauschend als Voyeur am Satellit, neidig auf die Glückliche, hoffend, beim nächsten Mal möge man doch bitte selbst zu den Auserwählten gehören.
Ach so, hatten wir bisher vergessen zu erwähnen, dass natürlich nur diejenigen in diesen erlauchten Genuss kommen, die vom schönen Rudi bereits via gebührenpflichtiger Nummer das ultimative vakuumverschließbare Plastikdosen-Set, stapelbar in Küche, Keller oder auf dem Schlafzimmerschrank, den Inhalt selbstredend wochenlang frisch haltend, bis hin zur anschließenden Mumifizierung, zum schlappen Preis von rund 50 Euro erworben haben? Nein, natürlich ist der Preis gerechtfertigt - schließlich hat Frau Kunde sage und schreibe vier Wochen Rückgaberecht und der leicht erhöhte Preis, na hören Sie mal, mindestens 66% des Verdienstes gehen letztlich an den ausstrahlenden Sender und der Hersteller will ja auch noch leben - ganz zu schweigen vom netten Herrn Moderator, der alles, was sich auf diesem Globus verkaufen lässt, charmant plaudernd an die Frau bringt. Ach, Sie fragen jetzt, wie hoch denn nun eigentlich der wahre Wert der Ware zu bemessen sei? Ist doch völlig uninteressant - denn der therapeutische ist mit Geld nicht zu bewerten. Wie, das können Sie nicht verstehen? Also gut, versuchen wir es mit einer Erklärung:
Kundin A, derzeit erziehende Mutter von zwei schulpflichtigen Kindern und einem noch mit Arbeit ausgestatteten Ehemann, verbringt dank Teleshopping die einst langweiligen Hausfrauenarbeits-Vormittage am Fernsehgerät. Neben dem visuellen Sehvergnügen kann sie nicht nur unterhaltsam und leichthändig ihre Wäsche bügeln- natürlich auf dem verstellbaren Bügelbrett mit digitaler Bügelzone und Rückführkabel, dem ultratitan-beschichtetem Bügeleisen mit eingebautem Wassertank plus Entkalker und Teesieder, der selbstredend vorprogrammierbar jede denkbare Teebrühart per Knopfdruck liefert. All diese technischen Highlights hat sie dank Teleshopping in den letzten Monaten von diesem liebenswürdigen jungen Moderator, der sie so sehr an ihre erste Liebe erinnert, erworben. Der Preis? Spielt keine Rolle, die Ware wird ja frei Haus geliefert und wenn sie nicht gefällt, man kann sie ja sogar gebraucht innerhalb von vier Wochen zurücksenden!




