Ayurveda

»Wann immer wir versuchen, etwa einzelnes herauszusondern, finden wir, daß es mit allem andern im Universum zusammenhängt.« (John Muir)

Ayurveda, zusammengefügt aus den Sanskritwörtern Ayur (= langes Leben) und Veda (= Wissen), zählt zu den ältesten medizinischen Gesundheitslehren der Menschheit. Die Wissenschaft vom langen Leben (von der Gesundheit) definiert Gesundheit nicht nur als Gleichgewicht zwischen Körper und Geist, sondern auch als Gleichgewicht zwischen Mensch und der ihn umgebenden Welt. In den schriftlichen Aufzeichnungen des über 5000 Jahre alten Ayurveda werden acht klassische medizinische Fachrichtungen beschrieben: Geisteskrankheiten, Hals-, Nasen-, Ohren- und Augenkrankheiten, Chirurgie, Krankheiten der inneren Organe, Frauenkrankheiten, die Lehre von den Giften, Kinderkrankheiten, Sexualmedizin und gesundheitliche Vorsorge. Als ganzheitliches Heilsystem berücksichtigt Ayurveda Faktoren wie Ernährung, Klima, rechte Lebensführung im religiösen Sinn u. a.

Strenggenommen hat sich die ayurvedische Heilkunst seit ihrem Beginn bis heute nur unwesentlich verändert. Ayurvedische Ärzte versorgen in Indien gut zwei Drittel der Bevölkerung, und längst haben anerkannte Studien bewiesen, daß nicht nur einzelne ayurvedische Heilmittel, sondern das Medizinsystem Ayurveda selbst wirksam ist.

Das enorme Wissen der Ayurveda-Medizin über die Heilpflanzen und ihre verschiedensten Wirkungen wird schon seit Jahren von den westlichen pharmazeutischen Firmen genutzt und umgesetzt.

In der westlichen Welt wurde Ayurveda vor allem durch die Blumenkinder der 60er Jahre bekanntgemacht. Die berühmtesten Anhänger des Ayurveda waren die Beatles, die ihrem Meister Maharishi Mahesh Yogi einst nach Indien folgten und sich von ihm in dieser Wissenschaft unterrichten ließen. Als Guru der Popgruppe wurde Maharishi weltberühmt, und Abertausende zogen in seinen Ashram nach Poona, um nach seiner Lebensphilosophie zu leben. Die von ihm gegründeten Maharishi-Ayur-Veda-Gesellschaften sind mittlerweile in der ganzen Welt verbreitet.

Wie bereits eingangs erwähnt, betrachtet Ayurveda den Menschen in seiner Ganzheit und das Leben in seiner Gesamtheit, behandelt die einzelne Krankheit unter Einbeziehung des menschlichen Gesamterscheinungsbildes. Der Mensch gilt als gesund, wenn Körper, Geist und Umwelt in Harmonie miteinander sind. Ist dieser Einklang nicht gegeben, wird der Mensch krank, da sein inneres Gleichgewicht zerstört ist.

Ayurveda postuliert seit Jahrtausenden jenes Gleichgewicht von Körper, Geist und Seele, dessen Wiederherstellung in der westlichen modernen Medizin sehr oft Psychotherapeuten als ihre Aufgabe ansehen - die Findung der wahren Krankheitsursachen.

Das Zusammenwirken von Körper und Geist wird von den drei Doshas , den drei Wirkungsprinzipien, gesteuert: Vata , Pitta und Kapha . Die Doshas sind den fünf Elementen bzw. Prinzipien zugeordnet: Raum, Luft, Feuer, Wasser und Erde, den Grundbausteinen aller Lebensformen (Traditionelle chinesische Medizin). Vata entand aus Äther (Raum), Pitta aus Feuer und Kapha aus Wasser und Erde. Die Doshas beschreiben neben den Wirkungsprinzipien die drei Konstitutionstypen: Vatatyp, Pittatyp und Kaphatyp.

Die drei Doshas und ihre Eigenheiten

VATA

  • Charakteristik: Geistig extrem reger, oft aber auch sehr ungeduldiger Mensch mit wenig Durchhaltevermögen, da er sich grundsätzlich für alles Neue interessiert. Generell von fröhlicher Natur.
  • Gesundheit: Vata ist zuständig für Nerven, Herz und Kreislauf. Der Vata-Mensch ist hypersensibel, und schon beim geringsten Anlaß reagiert er mit Schlafstörungen und Ängstlichkeit.
  • Jahreszeit: Herbst und Winter werden oft als belastend empfunden, viel Ruhe und Entspannung sollten in diesen Monaten für Ausgleich sorgen.
  • Positive Farben: Rot, Orange, Gelb.
  • Negative Farben: Grün, Blau, Violett.
  • Puls: Unregelmäßig, aber stark.

PITTA

  • Charakteristik: Mit dem Leben und sich selbst in der Regel zufriedener Mensch, der jedoch schnell ungeduldig wird. Der Pitta-Mensch ist extrem instinktsicher, neigt aber dazu, Ärger in sich hineinzufressen.
  • Gesundheit: Hitzeanfällig, neigt zu Hautallergien, Verdauungsstörungen und Magengeschwüren.
  • Jahreszeit: Große Hitze im Sommer wird als negativ empfunden.
  • Positive Farben: Orange, Blau, Violett.
  • Negative Farben: Rot, Gelb.
  • Puls: Lebhaft, hüpfend.

KAPHA

  • Charakteristik: Der Kapha-Mensch ruht in sich selbst und stört sich in der Regel auch nicht an seinem »stämmigen« Aussehen. Er ist die Zuverlässigkeit in Person, hilfsbereit bis zur Selbstaufopferung, mit einem Wort, der Kapha-Mensch ist ein wahrer Freund.
  • Gesundheit: Liegt eine Störung des Kapha vor, so neigt der Kapha-Typ zu Depressionen, sein meist latent vorhandenes Übergewicht wird zum gesundheitlichen Problem.
  • Jahreszeit: Das Frühjahr mit seiner erwachenden Farbenpracht verunsichert den die Beständigkeit liebenden Kapha-Menschen, er wird unsicher und fühlt sich in dieser Jahreszeit am unwohlsten.
  • Positive Farben: Rot, Gelb, Grün, Violett.
  • Negative Farben: Orange, Blau.
  • Puls: Gleichmäßig.
MISCHTYP

Natürlich gibt es viele Menschen, die alle drei Dosha-Grundcharakteristika in sich vereinen, die also Vata-Pitta-Kapha-Menschen sind. Diese mit allen Plusattributen ausgezeichneten Menschen stellen praktisch den Übermenschen schlechthin dar. Sie erkranken nur äußerst selten, und ihr seelisches Gleichgewicht ist permanent in der Waage.

Wer sich mit ayurvedischer Therapie beschäftigen möchte, sollte zuerst feststellen, welcher der drei Grundtypen seinem Wesen am ehesten entspricht.

Der ayurvedische Arzt wird zuerst darum bemüht sein, die unterschiedlich starke Ausprägung der drei Dosha-Typen beim Patienten herauszufinden. Er bedient sich dazu der Pulsdiagnostik und/oder der Prakriti-Analyse. Jede Therapie sucht nach den Wurzeln der Krankheiten in der Konstitution und der Disposition des ganzen Menschen, d. h. in der Patienteneigenschaft.

Pulsdiagnostik Über die Stärke des mit drei Fingern erfühlten Pulses erhält der ayurvedische Arzt Aufschlüsse über das/die Dosha(s) des Patienten.

Prakriti-Analyse Astrologische Konstellation sowie die Lebensumstände bei Zeugung, Schwangerschaft und Geburt eröffnen dem ayurvedischen Arzt das Prakriti, d. h. die »Natur des Menschen«. Diese manifestiert sich bei der Geburt und bleibt bis zum Tode bestehen.

Neben diesen diagnostischen Verfahren setzt der ayurvedische Therapeut seinen Geruchssinn ein. Mit dessen Hilfe ist die Konstitution des Kranken zu erfassen.

Ayurveda setzt rund 20 verschiedene natürliche Therapieformen ein, zu denen neben der Entschlackung und richtigen Ernährung auch die vierhändige Ganzkörpermassage zählt, die 107 Reflexpunkte kennt. Die Reinigungstherapien sind Dreh- und Angelpunkt der Ayurveda-Medizin. Mehr als 2000 Heilpflanzen werden getrocknet oder in Form von Tinktur verwendet. Die Mittel werden aus der ganzen Pflanze, Pflanzenteilen oder Extrakten, aus einer einzelnen Pflanzenart oder aus einer Mischung verschiedener Kräuter hergestellt. Die Gewürzheilkunde steht gleichberechtigt neben der Pflanzenheilkunde. Pflanzen finden aber auch in Zusammenmischungen mit Mineralien und Metallen Anwendung. Zur Ayurveda-Medizin gehören Farb- und Aromatherapien.

Wenn Prana pulsiert

Je ausgewogener die Lebensenergie durch unseren Körper pulsieren kann, desto größer wird unser Wohlbefinden sein. Die Vorstellung von dieser kosmischen Energie, Prana genannt, die den Körper durchdringt und erhält, findet sich nicht nur im Ayurveda, sondern in vielen - vor allem asiatischen - Philosophien. Die Chinesen (Traditionelle chinesische Medizin) nennen die Lebensenergie Qi (Ch'i), im antiken Griechenland hieß sie Pneuma , und in der Homöopathie verwendet man den Begriff Lebenskraft . Wenn Prana, der »Atem«, »Lebensodem«, in einem ausgewogenen Gleichfluß durch den Körper strömt, so kann man folgende Eigenschaften (z. B. an sich selbst) beobachten:
  • gesunden Schlaf,
  • gute Gewebebildung,
  • perfekt arbeitendes Immunsystem,
  • geistige und körperliche Vitalität bis ins hohe Alter,
  • reaktionsschnelles Nervensystem,
  • ausgewogene Körperfunktionen,
  • fröhliches, begeisterungsfähiges Gemüt.
Verbannen Sie Gier und Neid, aber auch Angst und Ärger aus Ihrem Bewußtsein, denn nichts stört Prana so sehr wie diese vier negativen Eigenschaften, die auch Gifte genannt werden. Ist der Fluß von Prana gestört, sendet der Körper jene Alarmsignale, welche wir gemeinhin als Unwohlsein und im weiteren Verlauf als Krankheit empfinden.

Mit anderen Worten heißt dies aber auch:

  • Mikrokosmos = Makrokosmos
  • Atom = Universum
  • Menschlicher Körper = kosmischer Körper
  • Menschlicher Geist = kosmischer Geist
Die Zeitlosigkeit ist das einzige, was bleibt!

Wer sich dies wirklich täglich ins Bewußtsein rufen kann, wird für sich Regeln aufstellen, nach denen er sein Leben gestaltet:

  • Lassen Sie Vorsicht bei Handlungen walten, bei denen der Körper mit psychischem oder physischem Unwohlsein reagiert.
  • Drückt die körperliche Reaktion aber Wohlbefinden aus, so befinden Sie sich auf dem richtigen Weg.
  • Lernen Sie, das auf Sie Zukommende zu akzeptieren, versuchen Sie erst gar nicht, dagegen anzukämpfen.
  • Nehmen Sie sich täglich Zeit für eine kurze Meditation, in der Sie nur in sich hineinhorchen.
  • Lernen Sie zu verstehen, daß das, was Sie hassen oder lieben, auch jenes ist, was in Ihrem Inneren unterdrückt bzw. gewünscht wird.
  • Suchen Sie nicht länger Anerkennung von außen, sondern lernen Sie zu begreifen, daß nur Sie selbst sich bewerten können. Nicht was andere, sondern ausschließlich Sie selbst denken, zählt für Ihr Wohlbefinden.
  • Urteilen Sie weder über andere noch über sich selbst, lernen Sie nicht aus Angst, sondern aus Liebe zu handeln. Besitzen Sie genügend innere Kraft, so wird die Angst keine Chance haben, sich in Ihrem Denken festzusetzen.
  • Leben Sie heute und jetzt - nicht gestern und morgen!
Die Verinnerlichung dieser Regeln hat allerdings mit der - von der Maharishi-Ayur-Veda-Gesellschaft propagierten und in ein umfassendes Weltrettungs-Programm übergreifenden - Transzendentalen Meditation (TM) nur wenig gemein. Bei unsachgemäßer Anwendung bzw. Betreuung kann diese durchaus zu ernsthaften Schäden führen!

Sicherlich helfen diese Regeln beim Abbau von Neurosen, ob sie allerdings eine Verbesserung des sozialen Verhaltens und sogar der allgemeinen Weltlage hervorrufen, ist nicht nachgewiesen bzw. unhaltbar.

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