Ein frischer Teint, glatte Haut und möglichst keine Fältchen – wer hätte das nicht gerne? Die Kosmetikindustrie verspricht uns dafür nahezu täglich neue Wunderwaffen. Mal sind es sündhaft teure Seren, mal exotische Pflanzenextrakte oder gleich eine ganze Batterie an Cremetiegeln. Dabei braucht unsere Haut weit weniger, als uns die Werbung glauben machen möchte. Und manches, was ihr wirklich guttut, kostet nicht einmal Geld.
Morgens Reinigungsschaum, abends Gesichtswasser und zwischendurch noch ein klärendes Gel? Wer seiner Haut ständig zu Leibe rückt, tut ihr nicht unbedingt etwas Gutes.
Natürlich sollten Make-up, Sonnenschutz und Schmutz am Abend entfernt werden. Dafür genügt meist ein mildes, gut verträgliches Reinigungsprodukt. Morgens reicht bei manchen Hauttypen sogar lauwarmes Wasser.
Entscheidend ist, wie sich die Haut danach anfühlt. Spannt oder brennt sie bereits nach dem Waschen, war die Reinigung möglicherweise zu intensiv. Seifen mit stark entfettender Wirkung und kräftiges Rubbeln sind jedenfalls kein Schönheitsprogramm.
Abgestorbene Hautschüppchen entfernen, die Durchblutung fördern und anschließend mit einem besonders strahlenden Teint glänzen: Peelings haben in der Kosmetik einen hervorragenden Ruf.
Doch unsere Haut erneuert sich auch ohne Nachhilfe. Ein wöchentliches Peeling ist deshalb keineswegs für jeden notwendig.
Vor allem grobkörnige Produkte können empfindliche Haut mechanisch reizen. Chemische Peelings mit Fruchtsäuren oder Salicylsäure sind ebenfalls nicht grundsätzlich harmlos. Ihre Verträglichkeit hängt von Konzentration, Anwendung und Hautzustand ab.
Wer zu Rötungen, Neurodermitis oder Rosazea neigt, sollte besonders vorsichtig sein. Manchmal ist der schönste Glow eben der, den man nicht erst freischrubben muss.
Fettig, trocken, empfindlich oder eine Mischung aus allem? Nicht immer passt unsere Haut in eine der üblichen Kosmetikschubladen.
Eine glänzende Stirn bedeutet beispielsweise nicht automatisch, dass das gesamte Gesicht zu viel Fett produziert. Ebenso wenig muss jede trockene Stelle mit einer besonders reichhaltigen Creme behandelt werden.
Entscheidend ist eine Pflege, die zum individuellen Hautzustand passt. Fettige oder unreine Haut kommt häufig mit leichteren, nicht komedogenen Formulierungen zurecht. Trockene Haut benötigt dagegen oft mehr rückfettende Bestandteile.
Wer unter Pickeln leidet, muss deshalb keineswegs auf Feuchtigkeitscreme verzichten. Worauf es dabei ankommt, erläutern wir in unserem Beitrag über Feuchtigkeitspflege bei unreiner Haut.
Und noch ein Irrtum hält sich hartnäckig: Poren lassen sich nicht einfach mit einer Creme dauerhaft verkleinern. Ihre Größe ist unter anderem genetisch bedingt. Geeignete Pflege kann lediglich dafür sorgen, dass sie weniger auffallen.
Pflanzliche Öle, Blütenextrakte und wohlklingende Kräuternamen machen sich auf Kosmetikverpackungen ausgesprochen gut. Doch natürlich bedeutet nicht zwangsläufig besonders verträglich.
Auch ätherische Öle, Duftstoffe und bestimmte Pflanzenextrakte können Allergien oder Hautreizungen auslösen. Umgekehrt sind synthetisch hergestellte Inhaltsstoffe nicht automatisch schädlich.
Entscheidend sind Zusammensetzung, Konzentration und Verträglichkeit – nicht allein die Herkunft der Rohstoffe.
Wer empfindliche Haut hat, fährt mit möglichst parfumfreien, übersichtlich formulierten Produkten häufig besser als mit einem reichhaltigen Kräutercocktail.
Wer seine Haut möglichst lange gesund erhalten möchte, sollte beim Sonnenschutz nicht sparen. Denn UV-Strahlung gehört zu den wichtigsten vermeidbaren Ursachen vorzeitiger Hautalterung. Sie begünstigt Falten, Pigmentflecken und langfristig auch Hautkrebs.
Besonders tückisch: UV-Strahlen sind nicht nur bei strahlendem Sonnenschein vorhanden. Auch an bewölkten Tagen kann die Haut belastet werden.
Bei entsprechender UV-Belastung empfiehlt sich ein breitbandiges Sonnenschutzmittel mit mindestens Lichtschutzfaktor 30. Im Sommer, am Wasser oder in den Bergen ist ein höherer Schutz häufig sinnvoll.
Dass regelmäßiger Sonnenschutz sichtbare Hautalterung tatsächlich bremsen kann, zeigte eine randomisierte australische Studie zur Hautalterung. Die Teilnehmer mit täglicher Sonnencreme-Anwendung zeigten nach gut viereinhalb Jahren weniger Zeichen lichtbedingter Hautalterung als die Vergleichsgruppe.
Eine preiswerte Sonnencreme kann für die Haut damit wertvoller sein als manches kostspielige Anti-Aging-Serum.
Ein Blick in den Spiegel nach einer durchwachten Nacht verrät meist schon genug. Die Augen wirken müde, der Teint fahl und die Gesichtszüge weniger frisch.
Schlaf ist allerdings mehr als ein kosmetischer Muntermacher. Während der Nacht laufen zahlreiche Regenerations- und Stoffwechselvorgänge ab, die auch für unsere Haut wichtig sind.
Wissenschaftliche Untersuchungen liefern Hinweise darauf, dass dauerhaft schlechter Schlaf mit einer beeinträchtigten Hautbarriere und sichtbaren Zeichen der Hautalterung zusammenhängen kann.
Sieben bis neun Stunden Schlaf gelten für die meisten Erwachsenen als vernünftiger Orientierungswert. Eine Garantie für faltenfreie Haut ist das natürlich nicht.
Und wer einmal schlecht geschlafen hat, muss am nächsten Morgen nicht gleich das gesamte Kosmetikregal bemühen.
Rauchen hinterlässt Spuren. Nicht nur in Lunge und Gefäßen, sondern auch auf unserer Haut.
Tabakrauch enthält zahlreiche Stoffe, die oxidativen Stress fördern und die Hautalterung beschleunigen können. Die Durchblutung und Wundheilung werden beeinträchtigt, Falten können früher und ausgeprägter auftreten.
Alkohol ist ebenfalls kein Schönheitselixier. Größere Mengen können Schlaf und Flüssigkeitshaushalt beeinflussen und bestehende Hauterkrankungen verschlechtern.
Auf die Zigarette zu verzichten und Alkohol möglichst zu meiden, ist deshalb keine kosmetische Modeerscheinung, sondern eine Entscheidung für die Gesundheit. Ein angenehmer Nebeneffekt kann ein frischeres Hautbild sein.
Nach einem Spaziergang an der frischen Luft sehen viele Menschen tatsächlich erholter aus. Die Wangen sind besser durchblutet, der Kopf ist frei und die Stimmung oft gleich mit verbessert.
Regelmäßige Bewegung unterstützt Herz und Kreislauf, fördert den Stoffwechsel und kann helfen, Stress abzubauen.
Allerdings sollte niemand erwarten, dass eine halbe Stunde Joggen Falten verschwinden lässt oder Akne heilt. Solche Versprechen gehören eher in die Werbung als in einen seriösen Gesundheitsratgeber.
Sport ist dennoch eine gute Investition – nicht zuletzt, weil körperliche Aktivität auch den Schlaf und das allgemeine Wohlbefinden günstig beeinflussen kann.
Eine gesunde Haut lässt sich nicht allein von außen pflegen. Auch die Ernährung liefert wichtige Bausteine für ihre normale Funktion.
Vitamin C wird beispielsweise für die Kollagenbildung benötigt, Zink spielt bei der Zellteilung und Wundheilung eine Rolle. Essenzielle Fettsäuren gehören ebenfalls zu einer ausgewogenen Versorgung.
Dafür braucht es keine exotischen Superfoods. Paprika, Beeren, Hülsenfrüchte, Nüsse, Vollkornprodukte und hochwertige pflanzliche Öle liefern bereits eine große Auswahl wertvoller Nährstoffe.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine abwechslungsreiche, überwiegend pflanzliche Ernährung. Davon profitiert nicht nur unsere Haut.
Zusätzliche Vitaminpräparate sind bei ausreichender Versorgung dagegen nicht automatisch sinnvoll. Und selbst die gesündeste Ernährung kann weder Falten verhindern noch jede Hauterkrankung heilen.
Viel trinken macht schöne Haut? Ganz so einfach ist es leider nicht.
Unser Körper benötigt ausreichend Flüssigkeit, um seine zahlreichen Aufgaben zu erfüllen. Bei einem tatsächlichen Flüssigkeitsmangel kann auch die Haut trockener wirken. Wer bereits ausreichend trinkt, bekommt durch zusätzliche Liter Wasser aber nicht automatisch einen strafferen Teint.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt rund 1,5 Liter Getränke täglich als Orientierung für gesunde Erwachsene. Bei Hitze, Sport oder Erkrankungen kann der Bedarf steigen; bei bestimmten Herz- oder Nierenerkrankungen gelten gegebenenfalls andere Vorgaben.
Wasser und ungesüßter Tee sind dafür besonders gut geeignet. Auf süße Limonaden lässt sich dagegen meist problemlos verzichten.
Und wer mehr trinkt, als sein Körper benötigt, tut seiner Haut damit nicht automatisch einen zusätzlichen Gefallen.
Ob Reinigung, Sonnenschutz, Ernährung oder Schlaf: Unsere Haut profitiert von vielen kleinen Gewohnheiten, die sich ohne großen Aufwand in den Alltag einbauen lassen.
Was sie dagegen nicht braucht, sind ständig neue Kosmetikexperimente und übertriebene Versprechen.
Wer seine Haut kennt, sie vor zu viel Sonne schützt und auch sonst vernünftig mit seinem Körper umgeht, hat bereits einiges richtig gemacht.
Der berühmte Glow? Der stellt sich vielleicht nicht jeden Morgen ein. Gesunde Haut ist schließlich kein Instagram-Filter – und muss auch nicht jeden Tag perfekt aussehen.
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