Morgens schon erschöpft, beim Treppensteigen schneller außer Atem und im Kopf fehlt die gewohnte Konzentration? Eisenmangel kann sich auf ganz unterschiedliche Weise bemerkbar machen – und bleibt deshalb nicht selten längere Zeit unentdeckt.
Doch Müdigkeit allein beweist noch keinen Eisenmangel. Erst eine gezielte Blutuntersuchung zeigt, ob die Eisenspeicher tatsächlich leer werden. Ebenso wichtig ist die Frage, warum Eisen fehlt. Denn hinter einem Mangel können starke Monatsblutungen ebenso stecken wie Schwangerschaft, häufige Blutspenden oder Erkrankungen von Magen und Darm.
Eisen gehört zu den lebensnotwendigen Spurenelementen. Ein großer Teil steckt im Hämoglobin, dem roten Blutfarbstoff. Dort hilft es, Sauerstoff aus der Lunge zu Organen und Geweben zu transportieren.
Fehlt über längere Zeit Eisen, leert der Körper zunächst seine Speicher. Erst später kann auch die Blutbildung beeinträchtigt werden.
Die Begriffe Eisenmangel und Eisenmangelanämie werden häufig gleichgesetzt. Medizinisch gibt es jedoch einen wichtigen Unterschied.
Bei einem Eisenmangel ohne Anämie sind die Eisenspeicher bereits vermindert, während der Hämoglobinwert noch normal sein kann.
Schreitet der Mangel fort, steht schließlich nicht mehr genügend Eisen für die Bildung des roten Blutfarbstoffs zur Verfügung. Dann kann eine Eisenmangelanämie entstehen.
Deshalb reicht es nicht, bei Verdacht ausschließlich auf den Hämoglobinwert zu schauen.
Eisenmangel entwickelt sich meist schleichend. Anfangs sind die Beschwerden oft unspezifisch und können leicht mit Stress oder Schlafmangel verwechselt werden.
Mögliche Anzeichen sind:
Bei stärker ausgeprägter Eisenmangelanämie können Kurzatmigkeit bei Belastung, Herzklopfen, Schwindel oder ein deutlicher Leistungsabfall hinzukommen.
Auch eingerissene Mundwinkel, Veränderungen an Nägeln oder Haarausfall werden bei Eisenmangel beobachtet. Sie sind allerdings nicht beweisend, weil viele andere Ursachen dahinterstecken können.
Die entscheidende Frage lautet nicht nur: „Fehlt Eisen?“, sondern ebenso: Warum fehlt es?
Eine der häufigsten Ursachen sind Blutverluste. Besonders betroffen sind Frauen mit starken oder lang anhaltenden Monatsblutungen.
Auch häufiges Blutspenden kann die Eisenspeicher belasten.
Bei Männern und Frauen nach den Wechseljahren sollte ein neu festgestellter Eisenmangel genauer abgeklärt werden. Hier können beispielsweise unbemerkte Blutverluste aus dem Magen-Darm-Trakt dahinterstecken.
In bestimmten Lebensphasen steigt der Eisenbedarf deutlich. Das gilt insbesondere während der Schwangerschaft und im Wachstum.
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt derzeit 11 Milligramm Eisen täglich für Männer, 16 Milligramm für menstruierende Frauen und 27 Milligramm während der Schwangerschaft.
Ein Referenzwert sagt allerdings noch nicht aus, ob tatsächlich ein Eisenmangel besteht.
Auch eine sehr einseitige Ernährung kann die Eisenversorgung beeinträchtigen.
Pflanzliche Lebensmittel können durchaus viel Eisen liefern, allerdings wird sogenanntes Nicht-Häm-Eisen schlechter aufgenommen als Hämeisen aus tierischen Lebensmitteln.
Vitamin C verbessert die Aufnahme pflanzlichen Eisens. Kaffee und schwarzer Tee können sie dagegen vermindern, wenn sie direkt zu eisenreichen Mahlzeiten getrunken werden.
Welche Lebensmittel besonders viel Eisen liefern und wie sich die Aufnahme verbessern lässt, erklären wir ausführlich in unserem Beitrag „Die richtige Ernährung bei Eisenmangel“.
Nicht immer liegt es daran, dass zu wenig Eisen gegessen wird.
Bei einer Zöliakie, chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen oder nach bestimmten Magen-Darm-Operationen kann die Eisenaufnahme eingeschränkt sein.
Auch chronische Entzündungen können die Eisenversorgung beeinflussen. Dann kann zwar Eisen im Körper vorhanden sein, für die Blutbildung aber nicht ausreichend zur Verfügung stehen. Man spricht von einem funktionellen Eisenmangel.
Zur Diagnostik gehören in der Regel ein Blutbild sowie Werte des Eisenstoffwechsels.
Besonders wichtig ist Ferritin. Das Eiweiß dient als Eisenspeicher, weshalb niedrige Werte auf leere oder deutlich reduzierte Reserven hinweisen können.
Ferritin hat jedoch einen Haken: Bei Infektionen oder Entzündungen kann der Wert ansteigen. Dann erscheint er möglicherweise normal, obwohl nicht ausreichend verfügbares Eisen vorhanden ist.
Je nach Situation können deshalb zusätzlich relevant sein:
Zur Beurteilung der Eisenversorgung empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung die Kombination mehrerer Laborwerte, da einzelne Parameter beispielsweise durch Entzündungen beeinflusst werden können.
Ein einzelner Laborwert sollte deshalb nie isoliert beurteilt werden.
Wer sich müde und erschöpft fühlt, greift schnell zu Nahrungsergänzungsmitteln. Bei Eisen ist das keine gute Idee.
Die DGE rät von einer generellen Eisensupplementierung ohne nachgewiesene Unterversorgung ab. Auch zu viel Eisen kann problematisch sein.
Hinzu kommt: Höher dosierte orale Präparate verursachen relativ häufig Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Bauchschmerzen oder Verstopfung.
Sinnvoller ist deshalb:
Eisenmangel bestätigen – und anschließend die Ursache suchen.
Bei einem bestätigten Eisenmangel werden häufig zunächst orale Eisenpräparate eingesetzt.
Wie viel Eisen benötigt wird und wie lange die Behandlung dauert, hängt vom Befund ab. Entscheidend ist nicht nur, dass sich der Hämoglobinwert normalisiert. Auch die Eisenspeicher müssen wieder aufgefüllt werden.
Aktuelle Empfehlungen zur Behandlung der Eisenmangelanämie sehen orale Eisenpräparate meist als ersten Schritt; Eiseninfusionen kommen unter anderem bei Unverträglichkeit oder eingeschränkter Aufnahme infrage.
Intravenöses Eisen ist nicht automatisch die bessere Therapie.
Eine Infusion kommt insbesondere infrage, wenn:
Welche Behandlung sinnvoll ist, sollte individuell entschieden werden.
Eisentabletten können die Speicher wieder auffüllen – aber sie beseitigen nicht automatisch den Grund für den Mangel.
Bei starken Monatsblutungen sollte gegebenenfalls die Blutungsursache behandelt werden. Bei Zöliakie steht die Darmerkrankung im Mittelpunkt. Bei unklaren chronischen Blutverlusten kann weitere Diagnostik notwendig sein.
Gerade bei einer neu festgestellten Eisenmangelanämie ohne offensichtliche Erklärung sollte deshalb nicht dauerhaft Eisen eingenommen werden, ohne nach der Ursache zu suchen.
Ein Arztbesuch ist insbesondere sinnvoll, wenn Müdigkeit oder Leistungsabfall länger anhalten oder Beschwerden wie Atemnot, Herzklopfen, Schwindel oder deutliche Blässe hinzukommen.
Auch starke Monatsblutungen, wiederholt niedrige Eisenwerte oder ein neu festgestellter Eisenmangel bei Männern beziehungsweise Frauen nach den Wechseljahren sollten genauer untersucht werden.
Eisenmangel lässt sich meist gut behandeln. Die richtige Therapie beginnt jedoch nicht mit der Packung Eisentabletten, sondern mit einer sauberen Diagnose.
Ferritin, Blutbild und weitere Eisenwerte zeigen, wie es um die Versorgung steht. Mindestens genauso wichtig ist die Suche nach der Ursache.
Denn wer weiß, warum Eisen fehlt, kann nicht nur den Mangel ausgleichen, sondern auch verhindern, dass die Speicher gleich wieder leer werden.
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