Draußen scheint die Sonne, der Grill ist heiß, Salate und Desserts stehen bereit. Genau jetzt werden kleine Hygienefehler besonders schnell zum Problem. Denn Wärme beschleunigt die Vermehrung vieler Keime – vor allem dann, wenn Lebensmittel zu lange ungekühlt bleiben oder rohes Fleisch mit verzehrfertigen Speisen in Kontakt kommt.
Die Küche wird bei 30 Grad nicht automatisch gefährlich. Doch was im Winter vielleicht folgenlos bleibt, kann im Sommer schneller zu einer Lebensmittelinfektion führen.
Kälte verlangsamt die Vermehrung vieler Bakterien, tötet sie jedoch nicht ab. Einige Erreger, darunter Listerien, können sich sogar bei Kühlschranktemperaturen weiter vermehren.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt für private Kühlschränke höchstens sieben Grad Celsius, besser unter fünf Grad. Gerade im Sommer lohnt sich ein Kühlschrankthermometer, denn der Drehregler zeigt nicht zuverlässig, wie kalt es im Inneren tatsächlich ist.
Rohe tierische Lebensmittel gehören gut verschlossen in den unteren Bereich. So kann Fleischsaft nicht auf Salat, Obst oder bereits gegarte Speisen tropfen. Vorgekochte Gerichte sollten rasch abkühlen und anschließend zügig in den Kühlschrank.
Weitere Hinweise gibt das BfR in seinen Fragen und Antworten zum richtigen Kühlen von Lebensmitteln.
Küchenschwämme bieten Mikroorganismen nahezu ideale Bedingungen: Feuchtigkeit, Speisereste und eine poröse Struktur, in der sich Bakterien festsetzen können.
Eine 2026 im Journal of Food Protection veröffentlichte Studie untersuchte unter anderem Escherichia coli, Salmonella enterica und Staphylococcus aureus. Das Ergebnis: Einige Erreger überstanden selbst längere Trockenphasen und konnten beim erneuten Zusammendrücken des Schwamms wieder auf Oberflächen übertragen werden.
Einen Schwamm nach Gebrauch auszuspülen und trocknen zu lassen, ist sinnvoll. Keimfrei wird er dadurch aber nicht. Sobald er riecht, sichtbar verschmutzt oder beschädigt ist, sollte er entsorgt werden. Nach Kontakt mit Flüssigkeit aus rohem Fleisch gilt das besser sofort.
Spülbürsten können hygienischer sein, weil sie schneller trocknen. Eine 2022 veröffentlichte Studie fand in Bürsten geringere Bakterienmengen als in Schwämmen.
Nicht die Außentemperatur allein macht ein Lebensmittel riskant. Entscheidend sind seine tatsächliche Temperatur, die Lagerungsdauer und die anfängliche Keimbelastung.
Die oft zitierte Aussage, Keime würden sich bei Hitze pauschal alle 20 Minuten verdoppeln, ist zu grob. Manche Bakterien wachsen unter günstigen Bedingungen sehr schnell, andere deutlich langsamer. Kühlung, Säuregehalt, Salz und Feuchtigkeit spielen ebenfalls eine Rolle.
Besonders empfindlich sind:
Solche Lebensmittel sollten nur möglichst kurz ungekühlt stehen. Für den Einkauf, das Picknick oder längere Autofahrten sind Kühltaschen mit Kühlakkus sinnvoll.
Einer der häufigsten Fehler passiert unbemerkt. Rohes Geflügel wird auf einem Brett geschnitten, danach landet dort Salat oder Brot. Über Hände, Messer, Schneidebretter und Grillzangen können Keime so auf Lebensmittel gelangen, die anschließend nicht mehr erhitzt werden.
Deshalb gilt:
Rohes Geflügel sollte zudem nicht unter fließendem Wasser abgewaschen werden. Spritzwasser kann Campylobacter und Salmonellen auf Spüle, Armatur und Arbeitsflächen verteilen.
Das BfR erklärt die wichtigsten Übertragungswege in seinen Hinweisen zu Lebensmittelinfektionen im Privathaushalt.
Aussagen wie „80 Prozent aller Infektionen werden über die Hände übertragen“ oder „Händewaschen entfernt 99 Prozent aller Keime“ klingen eindrucksvoll, sind als allgemeine Zahlen aber nicht belastbar.
Trotzdem bleibt gründliches Händewaschen eine der wirksamsten Schutzmaßnahmen in der Küche. Besonders wichtig ist es:
Normale Seife und Wasser reichen im Alltag aus. Die Hände sollten etwa 20 Sekunden lang eingerieben werden – einschließlich Handrücken, Daumen, Fingerzwischenräumen und Fingernägeln.
Ob Flüssigseife oder Seifenstück verwendet wird, ist im Privathaushalt zweitrangig. Entscheidend ist, dass die Seife sauber gelagert wird und trocknen kann. Antibakterielle Seife bietet im normalen Alltag keinen belegten Zusatznutzen.
Geflügel, Hackfleisch und andere empfindliche Lebensmittel sollten vollständig durchgegart werden. Das BfR empfiehlt, an allen Stellen mindestens 70 Grad Celsius für zwei Minuten zu erreichen.
Gerade beim Grillen kann Fleisch außen bereits gebräunt sein, während es im Inneren noch nicht ausreichend erhitzt wurde. Ein Küchenthermometer schafft Sicherheit.
Treten nach einer Mahlzeit Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder starke Bauchschmerzen auf, kann eine Lebensmittelinfektion dahinterstecken. Welche Ursachen infrage kommen und wann ärztlicher Rat sinnvoll ist, erklärt unser Beitrag Lebensmittelvergiftungen: Ursachen und Symptome erkennen.
Fünf Regeln reichen im Alltag meist aus:
Eine sterile Küche ist weder nötig noch sinnvoll. Entscheidend ist ein sauberer Arbeitsablauf. Wer Kühlkette, Kreuzkontamination und Reinigungsutensilien im Blick behält, kann Grillabend, Salat und Sommerdessert unbeschwert genießen.
Viele Bakterien vermehren sich bei Wärme schneller. Entscheidend sind jedoch nicht nur die Außentemperatur, sondern auch die Temperatur des Lebensmittels, die Lagerungsdauer und die anfängliche Keimbelastung. Leicht verderbliche Speisen sollten deshalb möglichst durchgehend gekühlt und nicht längere Zeit in der Sonne oder im warmen Auto gelagert werden.
Eine feste Frist für jeden Haushalt gibt es nicht. Schwämme sollten entsorgt werden, sobald sie unangenehm riechen, sichtbar verschmutzt oder beschädigt sind. Nach Kontakt mit Flüssigkeit aus rohem Fleisch ist ein sofortiger Wechsel sinnvoll. Waschbare Tücher sollten regelmäßig bei mindestens 60 Grad gereinigt werden, sofern das Material dies verträgt.
Der Kühlschrank sollte immer dann gereinigt werden, wenn Flüssigkeiten auslaufen, Lebensmittel verderben oder sich Krümel und Rückstände sammeln. Eine starre Monatsregel ist nicht nötig. Für die Reinigung genügen meist warmes Wasser, etwas Spülmittel und ein sauberes Tuch. Besonders wichtig sind Gemüsefächer, Türdichtungen und die unteren Ablagen, auf denen rohes Fleisch gelagert wird.
Bei einer Kreuzkontamination werden Keime von einem Lebensmittel oder Gegenstand auf einen anderen übertragen. So können Bakterien von rohem Geflügel über Hände, Messer oder Schneidebretter auf Salat, Brot oder andere Speisen gelangen, die anschließend nicht mehr erhitzt werden.
Wasser allein entfernt Fett, Schmutz und anhaftende Mikroorganismen weniger zuverlässig. Seife, gründliches Reiben und anschließendes Abspülen unter fließendem Wasser verbessern die Reinigungswirkung deutlich. Die Hände sollten etwa 20 Sekunden lang gewaschen werden.
In einem normalen Privathaushalt ist eine routinemäßige Desinfektion meist nicht erforderlich. Warmes Wasser, Spülmittel, saubere Tücher und eine gründliche mechanische Reinigung reichen in der Regel aus. Eine gezielte Desinfektion kann bei bestimmten Erkrankungen im Haushalt sinnvoll sein.